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Gedichte von "Am Wege"

 

Am Wege 1

Am Wege
Der Weg entsteht während ich gehe
Treffe Menschen
Eindrücke
Haltestellen 
Im Leben
Der Weg biegt ab
Aussicht
Kleine Eindrücke
Von einer großen Welt

Am Wege 2

Am Wege
Der Weg entsteht während ich gehe
Treffe Menschen
Eindrücke
Haltestellen
Im Leben
Der Weg biegt ab
 Läuft eine andere Richtung als erwartet
Trifft auf neue Wege
Neue Menschen
Aussicht und Einsicht
Kleine Eindrücke
Von einer großen Welt

Ein kleiner Samen I

Ein kleiner Samen
In die Erde gelegt
Kam zur Welt
Wuchs auf
In Regen und Wind
Überwand den Sturm
Streckte sich dem Licht entgegen
Mit seinen zerbrechlichen Blättern
Steht jetzt aufrecht 
Strahlt sich der Sonne entgegen
Ein kleiner Samen hat sich stark gewachsen

Ein kleiner Samen II

Ein kleiner Samen
In die Erde gelegt
Kam zur Welt
In Regen und Wind
Überwand den Sturm
Wuchs auf von diesem harten Boden
Streckte sich dem Licht entgegen
Mit seinen zerbrechlichen Blättern
Steht jetzt aufrecht
Streckt sich der Sonne entgegen
Mit dem Willen zum Leben
Ein kleiner Samen hat sich stark gewachsen

Die Zeit 1

Du hast keine Zeit
Sagst du
Ich weiß
Du hast keine Zeit
Die Zeit hat dich

Die Zeit 2

Du hast keine Zeit
Sagst du
Eilst weiter
Vorbei an
Mir
Aber ich weiß
Du hast keine Zeit
Die Zeit hat dich

Im Zoo I

Erwachsene und Kinder
Stehen und betrachten
Das große Tier
Das rastlos wandert
Vorbei an Ihnen hinter der Wand aus Glas
Geschmeidig
Schön
Gefährlich
Fremdartig
So gehen sie weiter
Zu dem nächsten Käfig
Um zu sehen
Das fremdartige Tier
Sich wundernd
Erfreut über die Vielfalt
Vielleicht wird hier und da ein kleiner Gedanke gesät
Der sich groß wächst und all dies beschützt

Im Zoo II

Leute hasten weiter
Kinder quengeln 
Wollen die echten Tiere sehen
Löwen
Tiger
Die Gefährlichen
Die Starken
Wenige sehen
Den kleinen Vogel
Den Kopf wenden
Um die anzusehen
Die stehen bleiben 
Um anzusehen
Einen federgeschmückten kleinen Kopf

Gedanken

Es ist gesagt worden
Gedanken sind frei
aber was ist mit den Gedanken
die in unseren Köpfen gepflanzt wurden
gegen unsere eigene Gewissheit

Du willst die Antwort nicht hören

Du kommst zu mir
Mit einer Frage
Du erwartest eine Antwort
Aber du willst die Antwort nicht hören 
Ich kann sie dir nicht geben
Du willst deine eigene Antwort haben
Du kannst sie nicht bekommen
Es ist nicht das was du hören willst
Aber es ist das was du bekommst

Auf dem Markt

Menschenmenge
Gedränge
Reihen von Körpern
Gehend
Schiebend
Bewegungen
Wie Wellen auf einem Meer
Ein Meer von Menschenkörpern
Vorbei an einander
Gegen einander
Verkäufer rufen
Käufer antworten
Dann ist es vorbei
Leute hasten nach Hause

Im fünischem Dorf

Im fünischem Dorf
Erinnerungen einer vergangenen Zeit
Erinnerungen an Menschen die vergangen sind
Zeigen uns unsere Wurzeln
Damit wir eine Zukunft bauen können
Vergangenheit trifft Gegenwart
Lebende Menschen
Wandern auf Pfaden
Grübeln über das was einmal war
Vergessen für eine kleine Weile
Die vielen Anforderungen ihres Alltages
Sitzen in der Sonne nieder
Und genießen endlich
Einfach ihr Sein

Am Mittelmeer

Süd-Frankreich
Sommer
Sonne
Menschen wandern im Sonnenuntergang
Auf der Strandpromenade
Auf dem Wege zu einem der Restaurants
In der Altstadt
Blumenduft hängt noch immer in der Luft
Kleine Wellen brechen sich am Strand
Ein einsamer Schwimmer kommt aus dem Wasser
Wir sind auf dem Weg nach Hause
Von Le châteux
Wo wir am Wasserfall saßen und über die Stadt hinweg blickten
Zu Hause
Dort warten Freunde mit
Rotwein und Oliven
Auf der Terrasse
Das ist das Leben
Am Mittelmeer

Tivoli

Kindergelächter
Die Musik spielt
Die Sonne scheint
Es ist Sommer
Es ist Tivoli
Das Karussell fährt seine Runden
Leute stehen in der Schlange
An Buden und Attraktionen
Wir gehen auf den ruhigen Pfaden
Wo die Lichter für den Abend entzündet werden
Weg von der Menschenmenge
Es wird Abend im Tivoli
Es ist Sommer

Ein Ort

Es gibt einen Ort
Weit weg von hier
Der einen Widerklang hervorruft
In meiner Seele
Ein Klang
Der vibriert
Der heraufsteigt
Sich in meinen Körper verbreitet
Und freigesetzt wird
In einem Jubelruf
Der dort gelegen hat
Gewartet hat
Seit ich ein  Kind war

Kleine Dinge

Ich habe mich oft darüber gewundert
Wie die kleinen Dinge
Eine so große Leere hinterlassen können
Wenn sie verschwinden
Gnadenlos
Die kleine Blume vor dem Fenster
Die gestern in voller Pracht stand
Und heute weg ist
Der Schmetterling der vorbei flattert
Und weg ist indem ich blinzele
Und der Vogel der im Apfelbaum gezwitschert hat
Den ganzen Sommer hindurch
Verschwand mit dem Herbstwind
Kleine Dinge
Über die wir selten nachdenken
Bevor sie für immer verschwunden sind

 

© Copyright 2009 by Anny Langer

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